Idee und Zielstellung


 

Im Rahmen des Dachausbaus des BRG Kepler konnte nach einigen Verhandlungen die Errichtung einer festen Sternwarte durchgesetzt werden.

Diese soll nicht nur als Symbol und Wahrzeichen dienen sondern den Schülern Wege zur Astronomie eröffnen: In praktischer Arbeit lernen sie Methodik und Faszination einer aktuellen Wissenschaft kennen.

Astronomie ist die älteste Naturwissenschaft, steht aber gleichzeitig absolut im Zeitgeschehen. In idealer Weise verkörpert sie den fächerübergreifenden Aspekt: Von den Naturwissenschaften über Mathematik und Informatik bis hin zu Geschichte, Philosophie und Religion. Dadurch erfahren die Schüler, dass es auch über der Stadt einen Nachthimmel gibt, den es zu beobachten lohnt, und sie erkennen die Probleme der erdgebundenen Astronomie und den Umgang mit diesen.
Mit geeignetem Instrumentarium ist auch in der Stadt eine Fülle von astronomischen Beobachtungen und Messungen möglich.

 


Eine Sternwarte entsteht ...

Wegen Platzmangels hatte das BRG Kepler schon vor vielen Jahren um einen Dachausbau angesucht. Als dieser 1996 genehmigt wurde, begann ein Diskussionsprozess über die neue Raumaufteilung im Gebäude. Es setzte sich die Idee durch, im neuen 3. Stock eine Art naturwissenschaftliches Zentrum zu errichten, nur Fachräume und keine Klassen: Biologie, Chemie, Physik und Informatik.

Mein eigenes Interesse an Astronomie, das ich mit der Organisation einer erfolgreichen Ausstellung über Johannes Kepler (1994/95) auch in der Schule ausleben konnte und eine Reihe von Kontakten ermunterte mich, den Bau einer Sternwarte vorzuschlagen - dies ließe sich doch mit relativ geringem Aufwand bewerkstelligen, wenn ohnehin die ganze Dachkonstruktion neu gemacht wurde. Besonders Alfred Schneider vom Steirischen Astronomen Verein unterstützte mich von Anfang an intensiv bei diesem Vorhaben.

Die Direktion der Schule lehnte die Idee trotz anfänglichem Wohlwollen ab, als es an konkretere Gespräche mit den Baubehörden ging. Trotzdem lancierte ich den Vorschlag wieder in den Planungsgesprächen, wo ich als Kustos für Physik glücklicherweise eingebunden war. Die Ablehnung von Seiten der Baubehörde war vorerst gründlich - ich fühlte mich einer Mischung von Belustigung und Entsetzen gegenüber: "Ja, wer soll denn so etwas bezahlen? Und wer braucht so was eigentlich ...?"

Einzig die Architektin DI. Fridrun Hussa notierte sich die Idee immerhin und meinte, man könne wohl darüber nachdenken und sondieren, es wäre doch eine schöne Sache, vielleicht findet sich irgendwie noch eine Möglichkeit. Tatsächlich kam es dann zu konkreten Gesprächen zwischen den Architekten sowie Alfred Schneider und mir, wobei es zuerst vor allem darum ging, was eine Sternwarte überhaupt für Rahmenbedingungen brauche ... wie groß, welche Öffnung wohin, Himmelsausschnitte ... Bei diesen Gesprächen wurde von Alfred Schneider unglaublich viel astronomische Aufklärungsarbeit geleistet, sodass letztlich nicht nur ein gewisses Wissen transportiert wurde und zusätzlich Zweifel ausgeräumt werden konnten (was bringt eine Sternwarte in Graz?), es wurde gar ein wenig Faszination und Begeisterung sichtbar.

Die Architektin und ihr Team plante nunmehr eine konkrete Möglichkeit und begann vor allem eine Sternwarte als ein mögliches "Zuckerl", ein Symbol, so etwas wie das "Tüpfelchen auf dem i" ihres Dachausbaus zu sehen.
In dieser Phase war es Frau D.I. Hussa, die das Projekt vorantrieb, unterstützt von Direktor Hofrat Lorenz, der nunmehr ein mögliches öffentlichkeitswirksames Symbol für seine Schule zu sehen begann. Ein erster Entwurf wurde bei der Altstadtkommission eingereicht - und abgelehnt. Dieser hatte eine Art "Blase" angebaut am Physiksaal vorgesehen. Wir waren über die Ablehnung nicht so unglücklich, war die Blase doch astronomisch nicht gerade eine Wunschlösung. Es kam zu einer denkwürdigen Sitzung mit Baubehörde, Architekten und Altstadtkommission. Deren Mitglieder erklärten zu unserer Erleichterung, dass nichts gegen eine Sternwarte prinzipiell spräche, sondern nur gegen die vorgeschlagene Lösung. Dann kam der Moment, der aus meiner heutigen Sicht die endgültige Durchsetzung der Idee bedeutete, obwohl dies damals nicht direkt sichtbar war: Alfred Schneider lief zu verbaler Höchstform auf und überzeugte alle Anwesenden in einer halbstündigen Brandrede für die Astronomie.
Überzeugt war auch Frau Hofrat D.I. Galka vom Landesbauamt, die in der Folge gemeinsam mit der Architektin das Projekt im Bundesministerium durchsetzte. Die Finanzierung war natürlich nicht einfach, da die neue Lösung eine professionelle Kuppel auf dem Stiegenhaus Ost vorsah und der Dachausbau bereits in Gang war!

Jedenfalls wurde das Projekt in kurzer Zeit durchgezogen und Unterbau sowie Zugang und Rohinstallationen fertig gestellt. Gleichzeitig liefen die Verhandlungen mit der Firma Baader in Deutschland wegen der zu liefernden 4-Meter-Kuppel.
Mitten in den Vorbereitungen wurden wir durch mehrere Querschüsse von Seiten der Presse aufgeschreckt. In der "Kleinen Zeitung" erschienen zwei Artikel und ein Leserbrief, die einerseits eine Sternwarte in der Stadt als sinnlos hinstellten und andererseits den hohen finanziellen Aufwand kritisierten. Es bedurfte einiger Mühe, die Sache wieder ins rechte Licht zu rücken.

Finanzierung: Sie lief völlig außerhalb des restlichen Dachausbaus, daher ging der Schule durch den Bau der Sternwarte nichts Anderes verloren.

Sinnhaftigkeit: Interessanterweise wurden gerade von Seiten einiger Amateurastronomen Bedenken angemeldet und in der Folge von Journalisten vereinfacht und überzeichnet ausgeschlachtet. Amateure arbeiten oft in unglaublichen High-end-Bereichen, sie reizen ihre Technologien aus und erzielen hervorragende Ergebnisse. Eine Schulsternwarte hat aber einen völlig andersgearteten Anspruch: Es geht um das Bekanntwerden mit Astronomie, um erste Zugänge, um Arbeit mit Teleskopen für Schüler, um Eigentätigkeit und um Einsicht und Verständnis in die Methodik aktueller astronomischer Forschung. Dabei ist zweitrangig, ob ein besonderes Deep-Sky-Objekt noch aufgelöst werden kann, denn obige Ziele kann man an Objekten erreichen, die auch in der Stadt zugänglich sind: Sonne, Mond, Planeten, Sterne. Diese und ähnliche Argumente waren natürlich schwerer zu vermitteln. Manchmal zogen wir uns daher auf simplere Vergleiche zurück: Hat ein Sportplatz in einer Stadt überhaupt einen Sinn, bei dieser Luftqualität?

Jedenfalls war dann der Zug nicht mehr aufzuhalten - im September 2000 wurde die 4-m-Kuppel auf das Dach der Lehrerstiege aufgesetzt. Danach kümmerten wir uns um die elektrische Installation, den Bau eines Fußbodens (dieser liegt etwa einen halben Meter über dem Betonboden) sowie einer Betonsäule. Die Säule (ca. 600 kg) liegt auf einem Sandbett direkt auf dem Betonboden, der Holzfußboden setzt am äußeren Mauerring auf und ist damit schwingungsmäßig vom Teleskop entkoppelt. 

Die hautpsächliche Betreuung der Sternwarte übernahmen in der Folge zwei junge Physiklehrer, die beide auch versierte Amateurastronomen sind: Bernd Lackner und Norbert Steinkellner. Sie arbeiten mit Gruppen von Schülerinnen und Schülern im Rahmen unseres Schulschwerpunkts SCIENCE sowie in einem Freifach Astronomie.
Gerhard Rath